Das Glück können Sie nicht kaufen – aber einen Skipass


So steht es am Ortseingang von Faraya, einer Stadt im Libanon. Hoch über Beirut befindet sich das größte Skigebiet des Nahen Ostens. Rund 20 Lifte mit mehr als 84 Kilometer präparierten Pisten in Höhen von über 2.300 Metern laden zum Skifahren ein.

Wir sind auf ein verlängertes Wochenende in den Libanon geflogen. Nach der Ankunft in Beirut bei Temperaturen über 20 Grad wird man erst einmal von einem ganz anderen Land als Ägypten empfangen. Die Passkontrolle geht schnell, das Gepäck wartet schon und der Autoverleih hat nahezu neue Fahrzeuge zur Verfügung. Die Fahrt durch die Stadt ist weitaus entspannter als in Ägypten und im Hotel gibt es an der Bar wie selbstverständlich ein kühles Bier – Beirut.

Am Morgen geht es dann in die Berge. Wir haben uns mit ein paar Freunden im Mzaar-Skigebiet eingemietet. Ein schönes kleines Appartement soll uns ein paar Tage beherbergen. Zuvor wird beim Supermarkt angehalten – oh welch ein Wunder, ein Netto Markt. Das Warenangebot haut uns ein bisschen um, wir kaufen alle viel mehr, als wir überhaupt die nächsten Tage essen können. Dann geht es die Bergstraßen hoch. Nur eine Stunde entfernt liegt das Skigebiet, in dem es die Woche vorher so richtig geschneit hat.

Die Fahrt geht durch kleinere Dörfer, Obstplantagen die auf angelegten Terassen am Berg hängen und gerade blühenden Kirschen hinauf in den Schnee. Oben angekommen liegt flächendeckend Schnee und die Lifte laufen schon. Am Liebsten würden wir gleich losfahren, doch erst muss das Equipment ausgeliehen werden. Nagelneue Ski, Stöcke und Schuhe von Head gibt es für umgerechnet 12,50 am Skiverleih. Der Skipass kostet 20 Euro und so ist der Skitag vorprogrammiert.

Die weißen Hänge haben dem Libanon auch seinen Namen gegeben. In der aramäischen Sprache bedeutet weiß einst Lbn, der Ursprung des Namens Libanon, das mit seinen im Winter mit Schnee bedeckten hellen Kalkfelsmassiv dem Namen alle Ehre gibt.

Schon die Ferienwohnung (angekündigt mit „breathtaking view“) gab eine tolle Aussicht, aber vom Gipfel kann man über die schneebedeckten Hänge direkt bis in die palmengesäumte Küstenstraße von Beirut sehen. Das ist wirklich Atemberaubend. Auf den Pisten ist nicht viel los, selbst am Wochenende verläuft sich der Menschenandrang. Die Pistenverhältnisse sind traumhaft. Trotz Temperaturen über 0 sind die Pisten bis zum Nachmittag einwandfrei zu befahren. Der Pistendienst hat wirklich hervorragende Arbeit geleistet. Die Lifte entsprechen so ein bisschen unserem Standard vor 10 Jahren, alle haben am Abend blaue Flecken an den Waden, weil der Lift dagegen donnert. Aber das trübt das Vergnügen überhaupt nicht.

Bei den Liftfahrten gibt es immer wieder Kontakt mit „Eingeborenen“. Da man im Libanon überall Englisch und Franzöisch spricht, ist die Kommunikation einfach und man erfährt Einiges über das Land und die Leute.

Im letzten Jahr konnte man sich nach 45 Wahlgängen dann doch auf einen neuen Staatspräsident einigen. Der Libanon ist mit 18 anerkannten Religionsgruppen ein schwieriger Schmelztiegel. Jede Gruppe versucht natürlich ihre Interessen durchzudrücken und so kommt es immer wieder zu Spannungen, die aber nun hoffentlich für die nächste Zeit befriedet sind. Das ist auch dringend notwendig, denn der Libanon ist ein wunderbares Reiseland. Von Deutschland aus kann man zu günstigen Preisen dort hinfahren. Die Libanesen sind ein sehr freundliches und hilfsbereites Volk und es gibt trotz des langen Bürgerkrieges, der dort herrschte, genügend interessante Sachen zu besichtigen. Für uns wird es nicht das letzte Mal im Libanon gewesen sein.