Ich verstehe jetzt das Wort Kafkaesk – nie wieder werde ich über deutsche Verwaltung schimpfen!


IMG_20150916_171653 (Medium)

Ein langer Leidensweg bis dahin!

Neben allen anderen Papieren kämpfen wir seit April auch um die Umschreibung und Zulassung des Autos und der Erteilung eines ägyptischen Führerscheins. Mittlerweile sind wir in einer heissen Phase angekommen und ich hoffe, dass diesmal am Ende wir gewinnen. Doch bis zu diesem Punkt gibt es einen langen Leidensweg.

Begonnen hat es im April, als die Zulassung für das Dienstauto ablief (macht sie eigentlich jährlich) und wir das gleichzeitig mit der Umschreibung auf meinen Namen verbinden wollten. In der Botschaft gibt es einen Menschen, der sich darum kümmern soll. Wir vereinbarten mit ihm einen Termin und stürzten uns in das Kairoer Verkehrschaos, denn das Zulassungsamt ist natürlich nur in Kairo und zusätzlich noch genau auf der anderen Seite der Stadt. Zuerst ging es zum „TÜV“, der alle 3 Jahre das Auto anschaut. Wenn ich so die anderen Autos auf der Strasse sehe, denke ich mir ja immer, dass die beim TÜV alle gelbe Armbinden mit schwarzen Punkten haben. Nun sie überprüften die Zulassung, die Motor- und Fahrgestellnummer und den Feuerlöscher. Dort stellten sie fest, dass er gerade 3 Jahre alt und somit abgelaufen ist. Ein Neuer muss besorgt werden, rein zufällig haben sie gerade Welche vorrätig und wir könnten kostengünstig Einen erwerben. Nach zähen Verhandlungen näherten wir uns auch dem Normalpreis und waren einer Erklärung reicher, nämlich warum wir so viele Feuerlöscher in der Garage stehen hatten. Das wars dann auch schon. Solche Sachen, wie der gerade defekte Blinker etc. hat Niemanden interessiert. Dann ging es viele Gänge weiter in das Zulassungsamt.

Endlich angekommen, warteten wir erst einmal knapp 3 Stunden bis die Akte mit den Originalunterlagen im Amt gefunden wurde. Nach einigem Prüfen stellten sie fest, dass ich ja garnicht der Eigentümer bin. Wir erklärten, dass das ja der Grund sei, warum wir da sind und ich konnte eine Vollmacht des Vorbesitzers vorlegen, dass ich alles mit dem Fahrzeug machen darf. Diese genügte dem Amt aber nicht, sie wollten einen notariell beglaubigten Kaufvertrag und die Originalrechnung des 8 Jahre alten Autos (blos gut, dass die zufällig in unserer Buchhaltung war). Der Begleiter aus der Botschaft sagte, dass er sich darum kümmert, da noch weitere Papiere für den Kaufvertrag notwendig sind und wir alles nach dem Urlaub haben.

4 Wochen später erreichte uns nach dem Urlaub die Nachricht, die Originalakte im Amt verloren gegangen sei und so lange sie nicht gefunden wird, die Angelegenheit auch nicht weiter bearbeitet werden kann. Wir fahren seit April ohne gültige Fahrzeugpapiere… Na ja, ich will mich kurz fassen. Irgendwie ging nichts weiter und erst durch massiven Einsatz von Botschaftsmitarbeitern ging es dann wieder voran. Wir schickten die Fahrzeugpapiere und die Nummernschilder nach Kairo (ab jetzt ohne Auto…) Ein paar Tage später wurde dann irgendwann das Papier für den Verkauf erstellt. Ein handgeschriebenes Formular, eine Seite komplett vollgeschrieben.

Wir gehen freudestrahlend zum Notar um den Vertrag zu erstellen. Jetzt darf man sich natürlich das Notariat nicht ganz so wie bei uns vorstellen. Man geht in einen Raum in dem ca. 50 Menschen stehen, drängeln, reden, schwitzen und erkämpft sich an irgend einem Schalte einen Sachbearbeiter, der den Vertrag erstellt. Unsere Sachbearbeiterin überprüfte alle Unterlagen um festzustellen, dass ein Buchstabe etwas liederlich geschrieben war. Man konnte es als „R“ oder als „W“ sehen. Sie sah es als „W“ und damit stimmte der Name des Verkäufers nicht. Viel Verhandeln brachte dennoch keinen Erfolg – das Formular sollte noch einmal in Kairo neu erstellt werden.

Kurz darauf sprach uns jemand an, der bei den Papieren helfen könne. Gegen eine Bearbeitungsgebühr von ca. 60 Euro würde er das heute noch fertig bekommen, wir müssten nur zu einem anderen Notariat. Also rein ins Taxi und zum nächsten Notariat. Dort wieder warten (übrigens waren an dem Tag dann schon 5 Stunden vorbei) und hin zu einem Sachbearbeiter. Der fing auch schon mit dem Vertrag an (er las „R“) und ich zahlte die offiziellen Gebühren an der Kasse ein. Zurück zum Sachbearbeiter sagte er, dass er aber noch das Formular für die Abgabe der Nummernschilder beim Amt benötige (was bis dato niemand kannte). Auch der Hinweis, dass auf dem handgeschriebenen Formular stand, dass dem Amt die Nummernschilder vorlagen nutzte nichts. Es kam kein Vertrag zustande.
Der Helfer hatte dann das Original in der Hand und wollte es auch nicht mehr herausrücken, denn schließlich schulden wir ihm ja Geld. Alles diskutieren war zwecklos.
Wir schlossen diese Geschichte ab und fuhren noch zur Polizeistation, die nahe unseres Hauses war um hier eine Meldebestätigung für den Führerschein zu bekommen.

Jetzt darf man sich Polizeistationen in Ägypten nicht so, wie in Deutschland vorstellen. Eher Festungen mit vielen Menschen drinnen. Als wir nach mehrmaligen Durchsuchen drinnen waren und nach vielem Fragen auch zu einem Menschen geleitet wurden, durchquerten wir auch einen Raum, in dem gerade hinter Gittern abgesperrt eine Menge Verhafteter stand. Egal ob Frau oder Mann, sie standen dort (gut, sie waren so viele, dass eh kein Platz zum sitzen war). Ich möchte mir garnicht vorstellen, warum. Bei dem Polizisten (und um es abzukürzen auch bei den nächsten 7) wurde viel diskutiert, aber er erklärte sich am Ende nicht für Zuständig. Erst später fanden wir dann Einen, der sagte, dass er über Nacht jemand zu unserem Haus zur Überprüfung senden wird und wir am nächsten Tag die Bestätigung abholen können.

Nächster Tag:
In der Früh kam Herr Jussif, der uns in allen Ämtersachen hilft zu uns ins Haus. Heute wollten wir mal die Umschreibung des Führerscheins angehen, da endlich das Schreiben des ägypt. Aussenministeriums dazu vorlag. Zuerst zur Polizei um eine Meldebestätigung zu holen. Der Mann vom gestrigen Abend war da und sagte uns, dass ein anderer Kollege zuständig ist. Dieser war es auch dann tatsächlich. „Jaaa, so eine Meldebestätigung, das braucht Zeit, da muss ja dann auch die Polizei hinfahren und das kostet Taxigeld“ Hä? Letztendlich lief es darauf hinaus, dass er 10 Euro Taxigeld bekam und wir Mittag die Papiere abholen könnten. Wir instrierten den Wächter des Hauses, damit er der überprüfenden Polizei (die übrigens nie kam) das Richtige sagt.
Weiter zum Verkehrsamt, es sollte ja heute der Führerschein dran sein. Erst mal eine Akte gekauft und viele Formulare ausgefüllt. Auf dem Schreiben des Außenministeriums musste ein wichtiger Mensch unterschreiben. Das tat er auch und kurz vor Ende der Unterschrift stellte er fest, dass das Schreiben an das Verkehrsamt in Kairo und nicht Alexandria geht. Unterschrift durchgestrichen. Die Diskussion danach endete fast in einem Eklat, er verwies uns schreiend des Raumes. Auch Gespräche bis zum stellvertretenden Polizeipräsidenten halfen nichts – das falsche Amt steht auf dem Brief. Also musste auch dieser Brief wieder für viel Geld mit dem Botendienst nach Kairo zur Verbesserung gesendet werden.

Ein weiterer Schritt des Tages war dann der Kampf um den Autovertrag. Wir zurück zum Notariat. Dort schnappte Herr Jussif sich einen mit vielen Sterne versehenen Polizisten, erklärte ihm die Situation und der Polizist rief gleich mal 5 Bewaffnete Helfer. Wir gingen zu dem „Helfer“, der angesichts der Staatsmacht nur sage, dass er eh gerade die Papiere zurück geben wollte. Nach knapp 1 Stunde konnten wir dann dem Polizisten Vollzug melden und wieder zum Polizeiamt gehen, damit wir die Meldebestätigung bekamen.

Der Polizist dort erklärte uns noch, dass das Taxi so teuer wäre (es kostet für die Entfernung ca. 50 Cent!) und das Geld nicht lange – er brauche noch einen Nachschlag. Also weitere 2 Euro losgeworden. Aber wir hatten einen DinA 4 großen mit Hand vollgeschriebenen Zettel, einschließlich Stempel, auf dem bestätigt wurde, dass wir in dem Haus wohnen. Der Tag war auch gelaufen, schließlich musste noch der Bote nach Kairo organisiert werden.
Der nächste Tag ging dann wieder, mit durch die Zulassungsstelle ausgebesserten (und natürlich mehrfach gestempelten) Formular beim Notar drauf. Wir waren schon sehr früh dort. Ein freundlicher Helfer sammelte erst einmal alle Ausweise der Anwesenden ein. Herr Jussif kannte glücklicherweise noch Jemanden, der ihm Ratschläge für den Umgang gab. Irgendwann fing dann um 10 das Amt langsam zu arbeiten an. (Dienstbeginn 9 Uhr) und wir holten den Pass wieder zurück um dann zu dem Sachbearbeiter zu kommen, den wir schon mal hatten. Ein Telefonat zwischen dem Bekannten von Herrn Jussif und dem Sachbearbeiter verbunden mit dem nachträglichen fallen lassen eines kleinen Umschlages hob die Stimmung des Sachbearbeiters. Plötzlich fehlten keine Unterlagen mehr und der Vertrag konnte mit vielen Unterschriften und Papieren erstellt werden. Zum Schluss noch ein Stelldichein beim Amtschef, der auf den Vertrag insgesamt 8 Stempel (auf eine Seite!) machte und schon waren wir glücklicher Besitzer des Vertrage.
Erneut Boten nach Kairo organisieren. Vertrag hinsenden. Zur Sicherheit kopierte ich auch alle Belege und sonstigen Unterlagen, legte diese dann bei.
Am nächsten Tag rief mich der Helfer der Botschaft an – das Amt in Kairo benötigt jetzt die Originalquittung, dass die Gebühr für den Vertrag bezahlt ist (So ein Vertrag kommt übrigens ohne diese bezahlte Gebühr überhaupt nicht zu Stande!) und sie dringenst nach Kairo geschickt werden muss, da sonst die Nummernschilder und der KFZ Schein nicht ausgestellt werden könne. Nein, ich rege mich nicht auf! Wir zahlen mal wieder den Botendienst und hoffen.

Einige Tage später habe ich dann tatsächlich das Nummernschild und den KFZ-Schein erhalten. Wir haben uns schon jetzt entschlossen – das Auto fahren wir so lange, wie es irgendwie geht. Eine Neuanschaffung mit neuen Papieren, das halten wir in der nächsten Zeit nicht durch….

Die Geschichte geht übrigens noch weiter – Führerschein – aber das wird eine eigene Geschichte!