Ein Unglück kommt selten allein


Eine neue Email ist angekommen – ein tragischer Todesfall auf dem Schiff. Sie kommen in zwei Tagen am Suez Kanal an und benötigen dringend Beistand der Seemannsmission. Also geht die Organisation los. Genehmigung für den Schiffsbesuch und Mitfahrt durch den Suez Kanal einholen, An- und Abreise organisieren, den Regelbetrieb im Seemannsheim umplanen. Alles geschafft, da trifft die nächste Katastrophenmeldung ein – ein verschollener deutscher Kapitän auf einem deutschen Schiff. Dieses kommt zwei Tage später in Port Suez an und benötigt auch dringenden Beistand.

Abends geht es dann auf das erste Schiff. Der Kapitän und die Mannschaft sind psychisch schwer angeschlagen. Ein 39 jähriger Seemann erlitt auf hoher See einen Herzinfarkt. Es konnte keine Hilfe rechtzeitig, von außen kommen. Mit mir betritt ein ägyptischer Arzt und die Polizei das Schiff. Wir packen den Leichnam aus dem Leichensack, der Arzt untersucht ihn auf äußerliche Gewalteinwirkung und stellt anschließend den Tod fest. Ich packe den Leichnam wieder in den Sack, schaffe ihn mit der Polizei in eine Transportkiste und diese von Bord. Die Mannschaft soll nichts mehr mit dem Leichnam zu tun haben. Anschließend die ganze Nacht und den nächsten Tag Gespräche, Gebete, Gottesdienst, Andachten. Als ich in Port Said das Schiff wieder verlasse, habe ich meine erste Durchfahrt durch den Suez Kanal und viele Gespräche hinter mir.

Noch in der Nacht zurück nach Port Suez – mit dem Auto, in Ägypten immer ein eigenes Abenteuer. Dort wartet schon das nächste Schiff. Diesmal mit deutscher Polizei und Vertretern der Reederei. Auf dem Schiff herrscht tiefe Betroffenheit. Ein sehr beliebter Kapitän ist auf hoher See verschwunden. Man weiß nicht warum. Die Suchaktion blieb erfolglos und die sehr junge Crew ist nervlich am Ende. Leider geht der Konvoi diesmal über Nacht, also bleibt weniger Zeit für Pausen. Aber auch hier gehe ich mit einem guten Gefühl den Menschen geholfen zu haben, von Bord. Einsätze wie diese sind sowohl psychisch wie physisch anstrengend, aber sie zeigen, wie wichtig unsere Arbeit ist.

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