55 Jahre Seemannsheim in Alexandria


10.4.62 Telegramm . GRUNDSTUEKSKAUF GENEHMIGT BRIEF FOLGT DR. MAAS

Nachricht vom Stationsleiter Karl-Heinz Busch an die Zentrale der Deutschen Seemannsmission – „der Kaufvertrag ist vom deutschen Konsul Dr. Maas unterzeichnet worden, das Haus ist uns nun sicher“.

So fing die Geschichte des Seemannsheimes in Alexandria an. 55 Jahre später im März 2017 war dies der Grund für umfangreiche Feierlichkeiten. Die Seemannsmission kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückschauen. Einen Eindruck über die Geschichte und Geschichten findet ihr unter diesem Link.

Für uns war der Beginn des Jahres sehr durchwachsen. Das eigentlich geplante Programm konnte dann wegen eines kurzfristig angesagten Besuchs der Bundeskanzlerin in Kairo und der dadurch entstandenen zusätzlichen Belastung eines unserer wichtigen Partner höchstens mit großen Schwierigkeiten durchgeführt werden und deswegen entschlossen wir uns, das Wirtschaftssymposium in den Herbst zu verschieben. Nichtdestotrotz haben wir für die Gäste ein umfangreiches Programm zusammengestellt, von dem ich nun chronologisch berichten werde.

Donnerstag, 23. März 2017

Die Gäste aus Deutschland sind bereits die Tage vorher angereist. Jürgen F. Bollmann als Vorsitzender der Deutschen Seemannsmission (DSM), Heike Proske, die Generalsekretärin, Folkert Jansen von der DSM Rostock unserer Partnerstation in Deutschland, Rainer Tyrakowski-Freese, Leiter von 1985-1989 in Alexandria mit seinem Sohn Till und Katja Buck einer Journalistin.

 

 

 

Um 17.30 feiern wir mit 68 Menschen im Seemannsheim einen Festgottesdienst. Nadia El-Kasheh von der deutschsprachigen Gemeinde in Kairo hält ihn. Das Lied – „Ein Schiff, dass sich Gemeinde nennt“ bekommt in unseren ziemlich vollen Räumen noch einmal eine ganz andere Dimension. Für uns besonders erstaunlich ist, dass alle Menschen einen Sitzplatz gefunden haben!

Nach dem Gottesdienst – Empfang. Viele weitere Gäste kommen und auch hier sind wir wieder erstaunt, wie insgesamt 124 Besucher sich im Garten verteilen können und immer noch Platz ist.

Der Botschafter Julius Georg Luy spricht ein sehr schönes Grußwort. Weist auf die Bedeutung des Seemannsheimes nicht nur als Ankerplatz für die Seeleute, sondern auch für die Deutschen in Alexandria und ganz Ägypten hin. Herr Bollmann begrüßt als Vorstand der Deutschen Seemannsmission, Karin begrüßt die Gäste und das Grußwort von unserer Partnerstation bringt ein ganz besonderes Geschenk – eine finanzielle Unterstützung. In Rostock wurde ab Anfang März bereits auf das Bier eine „Alexandriaabgabe“ von 0,10€ pro Flasche erhoben. Sozusagen „Trinken für den Süden“. Eine wirklich großartige Hilfe für unsere schlechte finanzielle Ausstattung.

Ein weiteres Highlight war ein Auszug aus einem Theaterstück, das Jens Erwin Siemsen, Leiter der Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ aus Deutschland, im Rahmen eines Dokumentartheaterworkshops mit Künstlern aus Alexandria die letzten 2 Wochen erarbeitet hatte. Obwohl es in Arabisch und ohne Verstärkung im Garten aufgeführt wurde, die Sprecher in großer Konkurrenz zu den Nachbarhunden standen bekam man bei der Thematik Syrien, Flucht und Mittelmeer Gänsehaut. (Eine private Aufnahme des Radioberichtes findet ihr hier)

Was soll ich sagen – die letzten Gäste sind am Morgen um 3 gegangen.

Der Freitag stand unter dem Thema Geschichten und Geschichte. Deutscher Filterkaffee und Kuchen lockte wieder eine große Teilnehmerzahl ins Seemannsheim. Stefan Gerke hielt einen ausgesprochen spannenden und interessanten Vortrag über die evangelische Gemeinde in Alexandria und Kairo und Karin zitierte aus alten Berichten der Vorgänger von uns. Ein großer Überblick über die Geschichte nicht nur des Seemannsheimes. (Aufstellung der Zitate sind hier)

 

 

 

 

 

 

Samstag war tagsüber Tourismusprogramm für die Gäste. Das Kloster Abu Mina ist nicht sehr weit von Alexandria entfernt. Eines der wichtigsten Klöster Ägyptens mit großem historischen Hintergrund. Bereits im Ersten Jahrtausend bestand dieses Kloster. Leider verschwinden die alten Bauten unter dem steigenden Grundwasserspiegel, der für die landwirtschaftliche Bewässerung benötigt wird.

 

 

 

Samstag Abend Vernissage im Goethe Institut. Zusammen mit dem Goethe und der Botschaft haben wir einen Wettbewerb ausgeschrieben – Faces of Alexandria – zeigt das Gesicht Alexandriens. Mehr als 600 Fotos gingen ein und die 50 Besten gibt es nun als Ausstellung. Zuerst in Alexandria, ab Mai in Deutschland am Kirchentag und anschließend in verschiedenen Seemannsmissionen, Kirchengemeinden und anderen Orten. Wer Interesse hat, diese Ausstellung bei sich zu zeigen – meldet euch bei uns.

 

Mit der Vernissage war das Abendprogramm aber noch nicht am Ende. Ein Shuttlebus brachte die Menschen wieder in das Seemannsheim. Nun wurde das neu geschaffene Theaterstück im Garten aufgeführt. Wieder standen die Schauspieler im Wettbewerb mit den Hunden, dem Gefängnis und dem Zug. Mehr über das Theaterstück gibt es in diesem aufgezeichneten Radiobeitrag

 

 

 

Der Sonntag ging dann schon früh los. Die Theatergruppe und wir alle fuhren nach Kairo. Zuerst einen Abstecher zu den Pyramiden. Selbst die Ägypter haben diese zum Teil noch nie gesehen. Am späten Nachmittag dann Gottesdienst der Seefahrt in der deutschen Kirche Kairo. Heike Proske und Jürgen F. Bollmann hielten die Predigt, die Theatergruppe zeigte noch einmal einen Ausschnitt aus dem Programm und am Ende überreichten Karin und ich der Gemeinde und der Kirche ein Kreuz von Lampedusa. Ein Holzkreuz, dass aus einem Schiff gebaut wurde, das mit Flüchtenden in Lampedusa ankam. (ausführlicher Artikel dazu hier). Der Abschluss fand dann auf einer Müllkippe statt.

Ja richtig gelesen – Müllkippe. Aber das war der Al Azar Park früher. Jetzt ist es quasi die grüne Lunge von Kairo. Ein Ruheort mitten in der tobenden und überlaufenden Stadt.

Ja, das wars. Eigentlich könnten wir bereits 2019 die 60 Jahre Seemannsmission in Ägypten feiern, denn 1959 kam der erste Seemannsmissionar der Deutschen Seemannsmission in Alexandria an. Mal sehen…