Wanderung vom Antonius- zum Pauluskloster


Antonius der Große (um 251 – 356 n. Chr.) war ein christlicher Mönch, Asket und Einsiedler. Als er etwa 20 Jahre alt war, starben seine Eltern und nachdem er seinen Besitz verschenkt hatte, zog er sich in die Einsamkeit zurück. Während der Christenverfolgung begab er sich nach Alexandria, um sich dort öffentlich zu seinem Glauben zu bekennen. Später zog er sich in die Einsamkeit des Wüstengebirges am Roten Meer zurück, wo er in einer Felsspalte hauste. Der Ruf seines asketischen Lebens verbreitete sich rasch und führte Tausende von Anhänger zu ihm. Aus diesen Anhängern entstanden später Eremiten- und Klostergemeinschaften. Antonius gilt als Begründer des christlichen Mönchtums. Antonius der im hohen Alter von 105 Jahren starb, gilt als Schutzheiliger der Bauern und ihrer Nutztiere / Haustiere, aber auch der Schweinehirten und Metzger und als Schutzpatron gegen das so genannte Antoiusfeuer (Mutterkorn), weshalb er oft im Feuer stehend dargestellt wird und vielfach mit dem sogenannten Antoniuskreuz in Form eines großen T. Der Gedenktag des Heiligen ist der 11. Januar. Die Wetterregel für diesen Tag: „Wenn Antoni die Luft ist klar, gibt’s bestimmt ein trocken Jahr“.

Das Antoniuskloster wurde im ausgehenden 4. Jahrhundert von Anhängern des Heiligen Antonius gegründet. Die Mönche wählten als Standort eine Quelle, die unterhalb der Felshöhle entspringt, in der der Heilige gelebt haben soll. Die kluge Bewirtschaftung durch die Mönche schuf hier in der Einsamkeit eine fruchtbare Oase. Die abgeschiedene Lage verhinderte die Arabisierung und Islamisierung und eine christliche blühende Kultur – und Geistesleben konnte sich entfalten. Die Mönche befassten sich in jeder Zeit vor allem mit der Übertragung gelehrter und geistlicher Schrift aus dem Koptischen ins Arabische. Ab dem 8. Jahrhundert mussten sie Überfälle von Beduinen über sich ergehen lassen, im 11. Jahrhundert wurde das Kloster teilweise zerstört und 15. Jahrhundert brannten Teile davon nieder.

Heute präsentiert sich das Kloster als großer Komplex und wichtiger Wallfahrtsort, umzogen von hohen Mauern mit mehreren Kirchen, Kapellen, einer Bäckerei und einem wunderschönen Garten. Das Quellwasser liefert außerdem genügend Wasser um Olivenbäume, Dattelpalmen und verschiedenen Feldfrüchte kultivieren zu können.

Die Antoniuskirche,  das älteste intakte christliche Gotteshaus auf ägyptischen Boden und beherbergt eine der bedeutendsten koptischen Wandmalereien. Ein großer Teil stammt aus dem 14. Jh., etliche davon sind möglicherweise sogar noch älter.

Ca. 300 m (1158 Stufen) oberhalb der Klosteranlage, befindet sich die Antoniushöhle.

Paulus von Theben (um 228 – 341 n. Chr.) ist ein christlicher Heiliger und nach der Legende erster ägyptischer Einsiedler, trotzdem gilt der Hl. Antonius als Gründervater des Mönchtums. Seine legendenreiche Lebensgeschichte schrieb der hl. Hieronymus nieder. Paulus ging angeblich nach dem Tod der Eltern und Erbstreitigkeiten während der Christenverfolgung, als erster christlicher Einsiedler und Asket in die ägyptische Wüste. Dort lebte er jahrzehntelang alleine, von einer Quelle, einer Palme und einem Raben, der ihm täglich ein halbes Brot brachte. Als er 113 Jahre alt war, wurde er kurz vor seinem Tod von dem damals 90-jährigen Antonius aufgesucht. Nach einiger Zeit wurde Paulus von Antonius fortgeschickt, um einen Mantel zu holen indem er nach seinem Tod eingehüllt werden wollte. Nach seiner Rückkehr war Paulus bereits verstorben. Nach dessen Tod soll  Antonius mit Hilfe zweier Löwen ein Grab für den heiligen Paulus ausgehoben haben. Er gilt als der Schutzheilige der Eremiten. In den christlichen Darstellungen sind die Palme und ein Rabe oder zwei Löwen seine Attribute. Der katholische Gedenktag des Heiligen ist der 10. Januar. Die Wetterregel für diesen Tag: „ist der Paulustag gelinde, gibt’s im Frühjahr raue Winde“. „ An Paulus Einsiedel Sonnenschein, bringt viel Korn und wenig Wein“.

Das Pauluskloster ist neben dem Antoniuskloster (in ca. 30 km Entfernung) das älteste der koptischen Christengemeinde. Es wird noch heute von Mönchen bewohnt und bewirtschaftet und ist einer der wichtigen Wallfahrtsorte in Ägypten. Eine erste Kapelle über dem Grab des heiligen Paulus wurde bereits im 4. Jahrhundert erbaut und seitdem Gebäude um Gebäude als Kloster um die Grotte herum erweitert. Das Herzstück der Klosteranlage bildet die Pauluskirche mit dem Marmorsarkophag des Heiligen Paulus. In den Kuppeln und Wänden befinden sich ebenfalls bedeutende koptische Wandmalereien und Fresken.