Radln in Alexandria


IMG_20151204_092633 (Medium)Am Freitag morgen haben wir an einer Fahrradtour teilgenommen, die anlässlich des Klimagipfels an umweltbewusstes Verhalten gemahnen soll „Facing the climate“. Es dürften wohl etwa 300 Personen gewesen sein, die auf der Stadtautobahn – der „Corniche“ – am Meeresufer entlang fuhren. Organisiert wurde das Ganze vom Schwedischen Institut, zusammen mit einer ägyptschen Fahrradvereinigung, einigen Umweltaktivisten und einer kleinen Frauengruppe.

Die Fahrräder konnte man sich ausleihen, kaum ein Alexandriner besitzt ein Fahrrad – wozu auch, in dem Dauerverkehr ist es sehr gefährlich zu fahren…

Umso spannender war es denn auch, als sich der gesamte Pulk dann wie ein großer langgezogener Lindwurm die befahrene Straße entlangwälzte. Aufgeregtes Gekreische und Geschnatter waren ständiger Begleiter bei der Fahrt. Die Ägypter genossen die unübliche Ausfahrt sehr und wackelten auf ihren (häufig viel zu niedrigen) Rädern ungeübt und unsicher die Piste entlang. Es fehlte auch nicht an kleinen Auffahrunfällen und vereinzelten Stürzen. Zum Glück ohne größere Blessuren. Mindestens ebenso sehr genossen die Zuschauer auf Bürgersteig und in den vorbeifahrenden Autos das ungewöhnliche Bild. Manch ein Handy wurde lachend gezückt und Erinnerungsfotos geschossen.

IMG_20151204_090709 (Medium)Start war in der Innenstadt unweit der Oper – von dort bis zur Stanley Bridge und wieder zurück – insgesamt etwa 18 km.

Da die Räder offensichtlich nach dem Verlassen der Fahrradfabrik keine Endmontage mit Festziehen der Speichen erfahren hatten, mangelte es am Ende der Tour nicht an tollen Achtern in Vorder- und Hinterrädern. Das geht ja auch recht schnell, wenn zum Beispiel immer wieder einzelne, virtuose Fahrradakrobaten frontal auf einen der hohen Bordsteine krachen.

Insgesamt eine recht witzige Fahrradtour – faszinierend ist für mich immer auch das besondere Publikum, dass von diesen Aktionen angezogen wird und teilnimmt. Es gibt doch auch viele aufgeschlossene Menschen in dieser Stadt – hier konnte man sie sehen…

P1110141 (Medium)Unter den Teilnehmern war auch eine Umweltaktivistin, die mit Kindern arbeitet und ihnen erklärt, warum man Müll nicht einfach in die Landschaft werfen soll. Sie hat Karin von ihrer engagierten Arbeit erzählt und berichtet, wie oft sie an Grenzen stößt, weil die Kinder einfach nicht verstehen wollen, was denn daran schlimm sei…

Auf ihrem T-Shirt hat sie einen Aufruf aufnotiert, dass Müll in den Abfalleimer geworfen werden soll.

Damit auch die Analphabeten die Botschaft verstehen, hat sie ein Bild daneben gemalt mit einer Frau, die Abfall in einen Papierkorb wirft.

Jetzt wird sie immer wieder auf die Malerei angesprochen, weil die Menschen das Bild nicht identifizieren können. Abfalleimer sind so selten auf den Straßen – die Zeichnung wird schlichtweg nicht entschlüsselt.