Ich möchte nicht mehr über Kinderrucksäcke fahren müssen


Eine reisserische Überschrift zu einem sehr schwierigen Thema. Diese Pressenotiz haben wir von der Seemannsmission versendet. Daraus haben sich dann verschiedene Interviews in Radio in in der Presse ergeben. Die Links, bzw. Artikel hänge ich am Ende an.
Zu diesem Thema halte ich auch u.A. am Donnerstag, 7. Mai um 19 Uhr im Eine Welt Kaffee im Bürgerpavillon, Heimstättenstrasse 24 in Fürstenfeldbruck einen Vortrag. Wer Zeit hat, ist herzlich eingeladen.
Für mich als Mitarbeiter der Seemannsmission ist hier wichtig, dass es neben all den Tragödien, die sich auf dem Mittelmeer abspielen, auch noch andere Menschen gibt, die mit diesen Themen direkt konfrontiert werden. Ich gehe auch nicht davon aus, dass sich das gerade in den nächsten Monaten entspannen, sondern eher zuspitzen wird.

Nie mehr über Kinderrucksäcke fahren
In der täglichen Arbeit begegnen den Mitarbeitenden der Deutschen Seemannsmission immer wieder Seeleute, die durch die Flüchtlingstragödien im Mittelmeer besonders belastet sind.
Die Mitgliederversammlung der Deutschen Seemannsmission fordert, die aktuelle Flüchtlingsproblematik im Mittelmeer nicht auf dem Rücken der Seeleute auszutragen.
Besatzungsmitglieder berichten immer wieder von persönlichen Habseligkeiten und Leichen, die im Mittelmeer treiben. Immer wieder müssen sie Menschen von Flüchtlingsbooten bergen. Das ist für Seeleute eine selbstverständliche humanitäre Aufgabe. Sie werden meist beim Umgang mit diesen belastenden Erlebnissen und deren Verarbeitung alleine gelassen.
Inzwischen haben Seeleute der Handelsschifffahrt schon mehr als 5000 Flüchtlinge gerettet.
Die DSM fordert: „Seht, was die Seeleute im Mittelmeer tun!“ Viel zu oft werden sie mit unvorstellbaren Erlebnissen konfrontiert. Kaum einer nimmt das wahr. Ein Seemann sagte zu einer Mitarbeiterin der DSM: “Ich möchte nie mehr mit meinem Schiff über Kinderrucksäcke fahren müssen.“
Seeleute und die DSM stellen die Frage, warum bis zum heutigen Tag keine adäquate Antwort der Politik zur Todesfalle Mittelmeer gefunden wurde.

Radiobeitrag in D-Radio Wissen:
Http://dradiowissen.de/beitrag/seemannsmission-erste-hilfe-für-matrosen
Radiobeitrag in WDR 5 Sendung vom 03.05.2015
www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr5/diesseitsvoneden106.html

»Der verantwortliche Seemann wird unter Druck gesetzt«
Die Reederei Hapag-Lloyd fordert ihre Kapitäne auf, bei Seenotfällen besser auf Distanz zu bleiben. Ein Gespräch mit Heike Proske
Interview: Burkhard Ilschner
Sie kennen das Rundschreiben, in dem Hapag-Lloyd seine Kapitäne verklausuliert auffordert, bei Sichtung von Flüchtlingsbooten nicht so genau hinzuschauen – was empfinden Sie angesichts solcher Botschaften?
Aufmerksamkeit ist auf See nicht einfach nur selbstverständlich, sondern überlebensnotwendig. Wird diese Aufmerksamkeit durch verordnete Vorsicht eingeschränkt, geht es an die Grundlagen des Überlebens: Denn wer wüsste es besser als Seeleute, dass sie selbst in Seenot geraten können und dann selbstverständlich ohne Verzögerung gerettet werden wollen und müssen.
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Matrosen können nicht Mare Nostrum ersetzen
Interview von Domradio.de mit Seemannsdiakon Folkert Janssen, Rostock
Immer öfter kommen Seeleute, die Frachtgüter befördern, mit Flüchtlingen in Seenot in Berührung. Folkert Janssen ist Leiter der deutschen Seemannsmission. Im Interview mit dem Kölner Domradio erklärt er, dass es nicht nur seemännische Pflicht, sondern auch Tugend sei, Menschen in Seenot zur Hilfe zu eilen. „Seeleute sind da relativ professionell. Die wissen genau, was die Leute brauchen. Sie haben auch eine entsprechende Notausrüstung an Bord, so dass geholfen werden kann.
Gesamten Artikel von domradio.de (bei Radio Vatican) lesen

Flüchtlingsdrama lässt Seeleute verzweifeln
„Sie sehen Leichen im Wasser treiben und machen sich Vorwürfe, weil sie nicht helfen konnten“, sagte der 56-jährige Seemannsdiakon Markus Schildhauer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es lasse manche auch verzweifeln. Schildhauer ist Seelsorger der Seemannsmission aus der ägyptischen Hafenstadt Alexandria und derzeit bei einer Mitgliederversammlung der evangelischen Organisation im niedersächsischen Bad Bederkesa.
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Überfordert vom Tod an Bord
Der Druck und die Angst nehmen zu: Immer mehr Handelsschiffe müssen Flüchtlinge aus dem Mittelmeer fischen. Die Reeder fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.
von Marlies Uken
Wenn man das Video ansieht, fällt es schwer, unberührt zu bleiben. Man sieht Kapitän Joshua Bhatt auf der CS Caprice, wie er auf der Brücke seines Schüttgutfrachters steht und per Funk auf einen Schleuserkapitän einredet.
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