Eine Tropfsteinhöhle mitten in der Wüste – Sannur Cave


Wir wollten das Opferfest nicht in Alexandria verbringen. Schon die Tage vorher war immer wieder Blut auf der Strasse von frisch geschlachteten Tieren zu sehen, ebenso eine Menge angebundener Schafe, Kühe und Kamele, die auf den „großen Tag“ warteten. (Mehr zum Opferfest in diesem Bericht) Deswegen nahmen wir das Angebot von Freunden sofort und sehr dankbar an, mit ihnen eine ganz besondere Rarität in Ägypten anzuschauen. Eine Tropfsteinhöhle.

Also ging es los mit dem Zug nach Kairo. Kurz hinter Alexandria lagen noch neben dem Gleis ein paar kaputte Wagons von dem letzten Zugunglück und dann ging es ganz normal mit dem Zug weiter bis kurz vor Kairo. Leider wurde dort aus der sonst pünktlichen Zugfahrt doch ein längeres Warten, irgendwie hat die Einfahrt in den Bahnhof nicht geklappt und deswegen hatte der Zug am Ende 1 Stunde Verspätung. Normalerweise eigentlich nicht so das Problem, doch in den ägyptischen Zügen schon, wer sitzt gerne 1 Stunde länger im Kühlschrank. (Die spinnen nämlich – die Klimaanlage im Zug hat bei 40 Grad Außentemperatur das Zuginnere auf 18 Grad heruntergekühlt. Alle frieren, doch wird nichts dagegen unternommen).

Der Donnerstag Abend in Kairo war wegen des Opferfestes wirklich sehr ungewöhnlich. Völlig leer gefegte Strassen, kaum Menschen unterwegs und nahezu alle Läden geschlossen. Freitag früh holte uns dann der Wagen ab und wir fuhren knapp 150 Kilometer in den Süden. Vorbei an den größten Gefängnissen Kairos und einem ehemaligen Luftkurort, der aber von einem der früheren Staatspräsidenten mit Schwerindustrie belegt worden ist. In der Nähe von Beni Suef mussten wir erst einmal auf unsere Begleitung warten…. Touristen dürfen in solchen Gebieten sich nicht ohne Polizeischutz bewegen. Leider verspätete sich auch der Mensch, der für die Tropfsteinhöhle den Schlüssel hatte und so ging es etwas verspätet und verschwitzt weiter. Zwei Polizeiautos mit insgesamt 8 Polizisten begleiteten uns.

An der nächsten Autobahnausfahrt ging es ab ins Nirgendwo. Man muss es sich so vorstellen: Ägypten besteht aus dem Nil, um den Nil herum einen kleinen Grünstreifen, der maximal 1 Kilometer breit ist, einer großen Strasse und viel Landschaft – besser gesagt – viel Wüste. Die Wüste, so wie wir sie uns vorstellen, gibt es aber nur sehr wenig auf der Welt. Sanddünen, das große Sandmeer, gibt es z.B. in  Siwa, dass wir noch einmal gesondert beschreiben werden, deswegen gehe ich hier nicht mehr darauf ein.

Die normale Steinwüste ist viel eben, manchmal Berge dazwischen und sonst ist da nicht viel. Man fährt mit dem Allradauto, denn ein anderes Fortkommen ist unmöglich. In dem Gebiet, in das wir fahren wollten, wird bis heute Alabaster und Marmor abgebaut. Deswegen lagen in der Wüste auch Steine, die den Weg markierten. Nach einer guten Stunde, um Einiges staubiger und durchgerüttelter, kamen wir an einem der Abbaupunkte an. Eine abenteuerliche Fahrt auf eine Erhebung gab uns dann aber eine schöne Aussicht über das Gelände. Auf der einen Seite war noch ein alter Staudamm aus der Römerzeit zu sehen. Ganz früher war diese Wüste ja Meer und später flossen hier noch Flüsse. Mittlerweile ist es ein bisschen anders – der letzte Regen fiel in diesem Gelände vor ungefähr 15 Jahren.

Dann noch mal eine ganze Strecke weiter geschüttelt und wir kamen am Zielpunkt an. Ein Haus, das früher die Zentrale des Marmorabbaus war, dient nun als „Empfangszentrum“. Wir mussten erst einmal Tee trinken, denn die Polizisten wollten Erholung. Während dessen wurde dann auch der Generator für die Höhle angeschmissen und auf dem Weg durch den Steinbruch bergab ging es dann endlich zur anvisierten Tropfsteinhöhle. Ein paar abenteuerliche Treppen brachten uns erst rein und nachdem wir alle durch ein kleines Loch krochen hinab in den Bauch der Höhle. Sie wurde bei Abbauarbeiten entdeckt und muss wohl bei Fund wunderbar gewesen sein. Mittlerweile merkt man schon, dass Touristen in dieser Höhle waren, denn viele Stalaktiten waren abgebrochen. Trotzdem ein sehr erstaunlicher Anblick einer solchen Höhle mitten in der Wüste. Es gibt noch zwei weitere Gänge, die von dieser Höhle weiterführen, doch sind diese, da sie immer noch unter Wasser stehen, bisher nicht erforscht worden. Ebenso ist der Tourismus für diese Höhle (gottseidank zum Erhalt) auch noch nicht so weit ausgeprägt. Die uns begleitenden Polizisten hatten die größte Freude, denn auch für sie war es das Erste Mal hier. Aber so konnten wir wenigstens ungestört uns alles anschauen.

Beim Rückweg ging es dann noch durch eine andere Höhle, die aber eher mittlerweile ein Tunnel war, da die Rückseite für den Alabasterabbau weggesprengt worden ist. Dennoch sieht man an der Decke noch die Meeresstrukturen.

Der Rückweg nach Kairo kam uns dann viel länger vor – vielleicht auch, weil wir mittlerweile doch durch die Hitze und dem vorherrschenden Wind ziemlich erschöpft waren. Insgesamt ist es aber ein sehr lohnenswerter Ausflug. Leider kann man ihn nicht ohne offizielle Reiseagentur machen, denn man braucht im Vorfeld einige Genehmigungen und letztendlich muss man auch wissen, wo das ist.