Ein besonderes Buch als Weihnachtsgeschenk?


Alexandria ist ja kein Ort, der heute noch großen internationalen Charme ausstrahlt. Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt, welch interessante und inspirierende Menschen uns im Seemannsheim so besuchen. So lernte ich auch den Buchverleger Stephan Trudewind aus Berlin kennen, dessen Frau seit gut 2 Jahren hier an der Deutschen Schule unterrichtet. Er selbst leitet den Verlag nun von Alexandria aus, auch wenn häufigere Reisen nach Deutschland unumgänglich sind.

Von seinem Verlag Edition Orient hatte ich vorher noch nie gehört, doch ich war überrascht, welch vielfältige und hochwertige Bücher dort erscheinen. Primär sind das zweisprachige Kinderbücher, aber auch Literatur aus dem Orient, wobei der arabische Raum eindeutig im Focus steht.

Es fiel mir nicht leicht, ein Buch auszusuchen und euch hier genauer vorzustellen.Die Wahl fiel dann auf den Titel „Zwei Meter bis zum Meer“. Ihr ahnt schon, der Titel hat es mir „als alter Seefahrer“ angetan, und in der Tat endet das Buch auch mit einer harmonischen Schiffsfahrt von Vater und Sohn.

Aber der Reihe nach: Das Kinderbuch fällt schon allein dadurch auf, weil ein Meterstab beigefügt ist, der auf der hinteren Buchdecke in einer Schlaufe steckt. Blättere ich erst oder nehme ich zunächst den Meterstab in die Hand? Ich entscheide mich fürs Blättern und bin ein weiteres Mal überrascht, denn das Kinderbuch enthält keinen Text, sondern die plakativen Bilder erzählen die Geschichte auf  leicht verständliche Weise. Das gefällt mir schon einmal!

Die Geschichte startet in einer Schreinerwerkstatt. Ein kleiner Junge daddelt auf dem Fußboden mit einem Handy, ein Erwachsener – wohl der Vater – ist nebenan am Arbeiten. Auf einer der nächsten Seiten sehen wir, wie der Meterstab immer näher an den Rand der Werkbank rutscht, schließlich herab fällt und den Jungen erschreckt, denn der Meterstab erscheint ihm als Schlange. Doch der Junge wird neugierig, nimmt sich dieses Werkzeug und beginnt mit ihm zu hantieren.

Auf den nächsten Doppelseiten sehen wir, wie der Junge alle möglichen Figuren legt und seiner Phantasie freien Raum lässt. Man könnte das Buch als Anleitung zum kreativen Spiel mit dem Alltagsgegenstand Meterstab verstehen. Allein das ist ja schon eine tolle Idee, denn das Spiel mit dem Meterstab liegt ja so nahe, dass es schon erstaunlich ist, dass das nicht bereits häufiger aufgegriffen wurde. Man muss sich nur an die eigene Kindheit und die Verzweiflung des Vaters erinnern, wenn durch die Spielerei wieder ein Meterstab zerbrochen war. Nun versteht man auch, warum dem Buch dieser Zollstock mit fünfzehn 10-cm-langen Gliedern beiliegt. Man kann also gleich loslegen und sich von den Figuren im Buch inspirieren lassen, ob Haus oder Auto, ob Baum oder Dinosaurier– alles scheint möglich.

Mit der Aufforderung zum gemeinsamen Tun hat ein gutes Buch seinen Zweck eigentlich schon erfüllt, doch in diesem Fall, nimmt auch die Geschichte im Buch wieder Fahrt auf. Denn als letzte Figur legt der Junge einen Wal, der – o Wunder, o Wunder – auf einmal eine Fontäne ausstößt. Viel Wasser, so viel Wasser, dass der Vater helfen muss. Wie die beiden sich retten sei hier nicht verraten, aber ganz gerührt ist man von dieser sehr schönen und runden Geschichte. Sehr gelungen!

Eigentlich echt schade, dass ich gerade kein entsprechendes Kind zum beschenken habe –aber vielleicht ihr?

Übrigens– Bei Amazon gibt es gerade nur noch 14 Stück! Also beeilt euch!

Bruna Barros: „Zwei Meter bis zum Meer“
Lt. Verlagsangaben für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren
Edition Orient, ISBN 978-3-922825-92-0, www.edition-orient.de

Wollt ihr mehr solche Tips – schreibt mir!