Der Nasserstausee


Nassersee (079) (Medium)Seit jeher ist der Nil die einzige Lebensgrundlage Ägyptens. Er dient der Bewässerung eines relativ schmalen, ca. 10 km breiten Uferstreifens zu beiden Seiten des Nils, der die Ernährungsgrundlage für das gesamte Land bildet. Der Fluss ist aber launig, im Sommer überschwemmt er das fruchtbare Land, so dass es nicht bebaut werden kann – dafür hinterließ er den wertvollen nährstoffreichen Schlamm. Die ständig zunehmende Bevölkerung im 19. Und 20. Jahrhundert verlangte aber nun ein Eingreifen in den natürlichen Flusslauf, zum Ziel die Wassermassen des Nils vor allem beim jährlichen Hochwasser so zu regulieren, sodass in der anschließenden Niedrigwasserphase ausreichend Wasser verfügbar war.1902 wurde der „alte“ Damm bei Assuan, im Süden Ägyptens, in Betrieb genommen und zweimal erhöht. Aber das seinerzeit weltweit größte Bauwerk seiner Art, erwies sich trotzdem als zu klein.

Der Bau einer größeren Staumauer wurde notwendig.

Am 9. Mai 1960 begann der Bau des neuen Assuan-Staudamms mit einer Sprengung, am 21. Juni 1970 wurde der Damm fertiggestellt und die Füllung Stausees war erst 1976 beendet. Der Staudamm ist ca. 3800 m lang und 111 m hoch, an der Sohle 980 m und an der Krone etwa 40 m breit. Neben der Bewässerungsregulierung, erzeugt ein Wasserkraftwerk mit 12 Turbinen, zusammen 2100 Megawatt Strom (ca. 10 % der Stromerzeugung Ägyptens). Der erzeugte Strom wird bis Kairo geleitet. Das Projekt kostete umgerechnet etwa 2,2 Milliarden Euro, 451 Menschen verloren im Zusammenhang mit dem Baumaßnahmen ihr Leben.

Der Assuan-Hochdamm staut nun den Nil zum riesigen Nassersee, benannt nach dem ehemaligen ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser, auf. Der See ist insgesamt ca. 500 km lang, wovon sich 350 km auf ägyptischer und 150 km auf sudanesischer Seite, wo er Nubia-See heißt, befinden. Er ist zwischen 5 und 35 km breit und hat eine Kapazität von 135 bis 169 Kubikkilometer Wasser. Nach Inhalt ist er der drittgrößte und nach Fläche der siebgrößte Stausee der Welt.

Die primären Ziele des Baus des Assuan-Hochdamms sind dieBevorratung großer Wassermengen, um in Trockenperioden die  Wasserversorgung sicherzustellen, Kontrolle der abfließenden Wassermengen, um bei starkem Hochwasser das Nilland zu schützen, Sicherung der Trinkwasserversorgung, Stromversorgung, Verbesserung der Schiffbarkeit des Nils, Aufbau neuer Industrien, Umstellung der restlich, noch traditionell saisonweise bewässerten Flächen auf Dauerbewässerung, so dass statt der traditionellen einen Ernte überall zwei bis drei Ernten möglich wurden, Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen und Verbesserung des Reis- und Zuckerrohranbaus, um teure Importe zu reduzieren

Aber auch viele Probleme wurden durch die Aufstauung des Wassers hervorgerufen. Der fehlende fruchtbare Nilschlamm muss durch teuren Kunstdünger ersetzt werden und setzt sich im Stausee ab. Daneben gibt es eine signifikante Erosion entlang der Küsten des Niltals, da der vom Nil ins Meer gespülte Sand fehlt, aber auch die Tatsache, dass so viel Wasser für die Bewässerung verwendet wird, dass nur noch etwa 5 % des Nilwassers im Mittelmeer ankommen. Durch die fehlenden Nährstoffe im Wasser ist außerdem der Fischbestand ab Assuan drastisch zurückgegangen. Etwa 150 000, hauptsächlich nubische Bauern, mussten umgesiedelt werden und verloren so ihre Heimat und viel von der nubischen Kultur ging verloren. Da das aufgestaute und langsam steigende Wasser des Nils bedeutende Kulturdenkmäler des alten Ägypten bedrohte, startete die Unesco 1964 die größte Rettungskampagne in der Geschichte der Archäologie. Die meisten archäologischen Stätte wurden wissenschaftlich aufgenommen, wichtige Denkmäler umgesetzt und transportable Zeugnisse in Museen verbracht. Besonders berühmt wurde die Umsetzung des Tempels von Abu Simbel.  Gerettet werden konnte aber nicht alles. Die Dörfer mit ihren Friedhöfen, Kirchen und Moscheen, alle Festungen, kleinere Felstempel und -gräber sind in den Fluten des Nassersees untergegangen.

Nassersee (336) (Medium)Und nun, eine wunderbare Reise auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff zurück in die faszinierende, ägyptische Vergangenheit bis in die Steinzeit, mit vielen Wanderungen in eine unwirtliche Natur,  einem unbeschreiblichen Sternenhimmel, nichts als Naturgeräusche, Begegnung mit einem Nilkrokodil und vielem mehr.