Staatsbesuch

Am 1. Mai hatten wir einen doppelten „Staatsbesuch“. Volker Kauder (CDU) hatte sich über die Botschaft bei uns im Seemannsheim angesagt. Ein besonderer Wunsch seines Aufenthaltes war ein Besuch in einer Kirche in Alexandria.

Also haben wir ihm einen Besuch zuerst in der St. Catherine Kathedrale von Alexandria organisiert. Neben der Heiligen Sabine (Zuständig für Fruchtbarkeit) ist dort auch der Patron des ansässigen Ordens Franz von Asissi und das der Allgemeinheit völlig unbekannte Grab des letzten Italienischen Königs Vittorio Emmanuele II zu sehen. Die Kirche selbst hat ihre Blütezeit Anfang 1900 gehabt und entsprechend ist auch ihr heutiger Charme.

Danach Kontrastprogramm im griechisch orthodoxen Patriarchat gleich gegenüber. Die 2004 renovierte Kirche ist bombastisch ausgestattet und einem Papstsitz angemessen. Übrings – wusstet ihr, dass Alexandria die einzige Stadt der Welt mit 2 Papst Sitzen ist? Neben dem griechisch orthodoxen Patriarchen ist dort auch der Sitz des koptischen Papstes Tawardos II, da ja in Alexandria durch den Evangelisten Markus die aller erste christliche Gemeinde gegründet wurde (und damit auch die Koptische Kirche).

Das Patriarchiat hat neben der Kirche auch noch eine wunderbare Bibliothek, die das Herzen jedes Historikers höher schlagen lässt. Neben vielen griechischen Büchern gibt es dort auch die Originalausgaben von Voltaire und anderen Schriftstellern, bis hin zu Büchern aus dem 14. Jahrhundert. Unser Führer zog plötzlich aus dem Regal ein Buch aus dem Jahr 1530 – einfach so, ohne Handschuhe oder Schutzvorrichtungen. Jedem historischen Bibliothekar hätte es spätestens jetzt den Herzschlag nicht nur verdoppelt….

Das Museum des griechisch-orthodoxen Patriachiates

Auch ein wunderbares Museum gibt es in diesem Patriarchiat. Leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Wenn man aber die Möglichkeit hat, es zu besichtigen, findet man hier Schätze, die nicht einmal das ägyptische Museum in Kairo hat. Entstanden ist es vor einigen Jahren, als man einen Aufzug bauen wollte und unter dem Patriarchiat eine alte Wasserzisterne entdeckte. Diese wurde mit viel Liebe und Geld zu einem Museum der Extraklasse verwandelt. Als die Griechen zur Nasserzeit das Land verlassen mussten, durften sie keine Antiquitäten etc. mitnehmen. Diese überließen sie dem Patriarchiat und mittlerweile schmücken sie diese wunderbare Ausstellung.

Der Höhepunkt war natürlich die Audienz mit dem Patriarchen. Ganz unscheinbar und ohne Pomp kam er in den Saal, sprach sehr freundlich mit uns und betonte seine enge Verbundenheit mit Deutschland und den Deutschen. Ein echt beeindruckender Mann!

Am Nachmittag war dann noch der Besuch des Seemannsheimes angesagt. Wir durften die Arbeit und die Probleme der Seemannsmission vorstellen und Herr Kauder versprach, dass er zurück in Deutschland, der finanziellen Probleme der Seemannsmission annehmen würde.

Der Tag war noch nicht zu Ende. 10 Minuten nach der Abreise von Kauders kamen 11 deutsche Seeleute, die gerade zur Wartung der von Deutschland gelieferten U-Boote hier sind. Unser Garten und der Grill waren eine willkommene Abwechslung zum ganz normalen Wahnsinn der Stadt. Ein durchaus voller Tag für uns.