Ein ganz besonderes Musikerlebnis


Beim Einspielen

In Ägypten und ganz Nordafrika gibt es verschiedene Orgeln. Leider haben alle Orgeln zwei große Feinde – das Klima und die Termiten. Demzufolge gibt es in ganz Nordafrika nur eine einzige Orgel die überhaupt komplett bespielbar ist. Eine Walcker Orgel, die 1912 in die damals gerade neu gebaute Kirche der deutschsprachigen Gemeinde in Kairo eingebaut wurde. Es handelt sich um eine spätromantische Orgel mit 17 Registern.

Auch sie hatte lange mit den oben genannten Feinden gekämpft und verloren. Doch beschloss man zum 100-Jährigen Jubiläum der Kirche, dass zu einer guten deutschen Kirche auch eine gute Orgel gehört. Also fragte man den Urenkel des Orgelbaumeisters Gerhard Walcker-Mayer an und sammelte fleißig Spenden. Dieser renovierte die Orgel komplett und setzte sie in einen bespielbaren und wieder erhaltbaren Zustand.

Seit dieser Zeit begleitet die Orgel wieder regelmäßig die Gottesdienste und aus Deutschland eingeladene Organisten, bringen die Kirche zum Klingen.

Das letzte Konzert fand am Reformationstag 2018 als Orgelvesper mit Texten zur Reformation statt. Kirsten Ruhwandl war mit ihrem Mann Ende Oktober zu Besuch im Seemannsheim Alexandria. Eine einmalige Chance für die Gemeinde, einen besonderen Orgelgenuss in Kairo zu erleben.

Nach einem umfangreichen Besichtigungsprogramm von Kairo, den Pyramiden und der nahen Wüste ging es am Nachmittag zum Einspielen in die Kirche. Rein „zufällig“ hatte Kirsten Ruhwandl ja einen Satz Noten für ein Konzert dabei.

Einläuten

Kirsten und Botschafter

Zum Konzertbeginn füllte sich die Kirche, für einen ganz normalen Arbeitstag in der Woche sehr schnell. Die Glocken wurden von uns durch Hand geläutet und der deutsche Botschafter Georg Julius Luy ließ es sich nicht nehmen, diesen Kulturgenuss inmitten der tobenden Stadt Kairo wahrzunehmen.

Ganz nebenbei erklärte die Organistin noch einer Gruppe Sprachschüler aus dem Goethe Institut die zum ersten Mal in ihrem Leben in einer Kirche und einem Orgelkonzert waren, die Spielweise und ließ sie direkt auf der Empore zuschauen.

Mit dem Abschluss, der Symphonie Nr. 5 in F-Dur von Charles Maire Widor, zeigte Kirsten Ruhwandl noch einmal das gesamte Spektrum und die Möglichkeiten der Orgel. Ein rundum außergewöhnliches Musikerlebnis in der arabischen Welt.