Ein besonderes Skierlebnis – Skifahren im Iran

Der Blick auf den höchsten Gipfel Irans – den Damavand (Vulkanisch)

Anfang Februar hatten wir ein ganz besonderes Skierlebnis – Skifahren im Iran! Bereits im April letzten Jahres waren wir zu einer Tagung in Teheran und sahen die hohen schneebedeckten Berge gleich hinter Teheran. Nachdem wir 2018 ja bereits in Beirut beim Skifahren waren, war quasi das nächste Ziel damit gesetzt.

Glücklicherweise haben wir in Teheran Freunde. Vielen Dank besonders an Harald, der uns die ganzen Wege in unkompliziertester Weise sprichwörtlich geräumt hat.

Eine große Sorge für uns war das Visum, da wir ja bei der Tagung sehr plötzlich abreisen mussten. Also Visumantrag online gestellt und glatt wurde der erste Antrag abgelehnt, da wir entweder mit einer Einladung oder über eine Tourismusagentur buchen sollten.

Harald sendete uns eine Einladung und 5 Tage später kam die Nachricht, wir können das elektronische Visum am Flughafen in Teheran entgegen nehmen.

Direkte Flüge von Ägypten nach Teheran gibt es leider aufgrund der politischen Situation nicht, aber über Istanbul mit Turkish war es kein großer Umweg.

In Teheran mitten in der Nacht angekommen wartete erst mal die komplette iranische Verwaltung auf uns. Zuerst musste eine iranische Krankenversicherung abgeschlossen werden, dann das Visum an einem Bankschalter bezahlt und nach 2 Stunden Wartezeit wurden wir auch schon von einem Grenzer ausführlich befragt, was wir im Land machen wollten. Eine knappe halbe Stunde später hatten wir dann die Pässe wieder in der Hand – ohne jeglichen Eintrag. Auf Rückfrage wurde uns mitgeteilt, dass es sich ja um ein elektronisches Visum handle und alles so in Ordnung ist. Also ab zur Passkontrolle, die dann auch problemlos durchging und kein Stempel landete im Ausweis (Praktisch für die Besuche anderer Länder, die mit dem Iran nicht so gut in Verbindung stehen). Leider wussten wir aber auch nicht, wie lange das Visum nun gilt….

Gepäck und schwupps waren wir schon gut 3 Stunden später in unserer Unterkunft bei Harald in der Wohnung. Er hatte sogar sein eigenes Bett für uns geräumt! Echt toll.

In Dizin liegt das Tal bei 2.400 Meter Höhe. Mit dem Taxi ging es durch bizarre Bergschluchten dort hin. Am Hotel angekommen wartete schon ein von Harald organisierter Mensch, der uns beim Ausleihen der Ausrüstung und der Anschaffung des Skipasses half.

Im Zimmer angekommen wurden die Skisachen sofort ausgepackt. Die strahlende Sonne und der Pulverschnee lockten schon sehr. Also gleich rauf auf die Piste und los ging es.

Das Skigebiet geht bis 3.640 Meter Höhe. So hoch sind wir noch nie Ski gefahren! Die Atmung ging schon etwas schneller und die Abfahrten waren aufgrund der geringeren Luft weitaus anstrengender als normal. Aber der tiefblaue Himmel, die leeren Pisten und der wunderbare Pulverschnee ließen das alles vergessen.

Einen Tag schneite es, was aber nicht besonders tragisch war – ganz im Gegenteil, denn am nächsten Tag hatten wir tolle Tiefschneeabfahrten und auch auf der Piste, die bestens präpariert war, war es ein Genuss zum Fahren.

Ja, man denkt, Iran ist ein exotisches Skigebiet – war es auch. Aber die Anlagen in Dizin sind alle wohl aus Europa (manchmal steht sogar das Schild: „Skispitzen anheben“ am Lift) und bestens gewartet. Das Skigebiet ist übersichtlich und man kommt am Ende immer an einem Ort raus – also keine Gefahr sich zu verfahren.

Aufgrund der amerikanischen Sanktionen ist die Währung im Iran sehr inflationär. Ein Skipass kostete 1,5 Mio Rial (knapp 12 Euro). Essen im Restaurant weit unter 10 Euro. Also alles für uns sehr günstig.

Die letzten 2 Tage verbrachten wir dann in Teheran. Dort besichtigten wir verschiedene Paläste, Moscheen, die deutsche Schule und natürlich den großen Basar von Teheran. Schon sehr beeindruckend. Iran ist überhaupt ein wirklich ganz anderes Land als Ägypten. Es liegt kaum Müll auf den Straßen, die Menschen sind sehr gut gekleidet und man merkt in vielen Bereichen den weitaus höheren Bildungsstand. Viele Menschen begrüßten uns und freuten sich, dass wir als Touristen in ihr Land gekommen sind. Gerade bei den Liftfahrten in den kleinen Gondeln hatten wir sehr gute Begegnungen mit Iranern.

Das wird sicherlich nicht unsere letzte Reise in dieses wunderbare Land gewesen sein, sofern sich die politischen Verhältnisse nicht verschlechtern.

Beim Rückflug haben wir dann noch in Istanbul ein besonderes Programm von Turkish Airlines genutzt – das Stoppover Programm. Wenn man mehr als 6 Stunden Wartezeit in Istanbul am Flughafen hat, spendiert Turkish Airlines einem eine Stadtrundfahrt einschließlich Essen. Alles kostenlos. Sehr empfehlenswert, wobei wir mit dem Wetter ziemlich pech hatten. Es war zwar 7 Grad, aber gefühlt durch die Luftfeuchtigkeit weitaus kälter als -7 Grad bei Sonnenschein in Dizin. Dennoch war die Hagia Sophia, die blaue Moschee und ein bisschen der Basar und die Innenstadt besuchbar und Istanbul ist immer eine Reise wert!