Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge in El Alamein


Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ist eine humanitäre Organisation. Er widmet sich im Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland, zu erhalten und zu pflegen,

er betreut Angehörige in Frage n der Kriegsgräberfürsorge, er berät öffentliche und private Stellen, er unterstützt die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kriegsgräberfürsorge und fördert die Begegnung junger Menschen an den Ruhestätten der Toten.

Heute hat der Volksbund etwa 500 000 aktive Mitglieder und Spender sowie über eine Million Gelegenheitsspender und Interessenten. Mit ihren Beiträgen und Spenden sowie den Erträgen aus der Haus- und Straßensammlungen, die einmal im Jahr stattfindet, finanziert der Volksbund zu fast 80 Prozent seine Arbeit. Den Rest decken öffentliche Mittel des Bundes und der Länder.

Im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen erfüllt der Volksbund seine Aufgabe in Europa und Nordafrika. In seiner Obhut befinden sich heute 827 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten mit etwa 2,3 Millionen Kriegstoten. Mehr al 9 000 ehrenamtliche und 553 hauptamtliche Mitarbeiter/innen erfüllen die vielfältigen Aufgaben der Organisation.

Nach der politischen Wende in Osteuropa nahm der Volksbund seine Arbeit auch in den Staaten des einstigen Ostblocks auf, wo im Zweiten Weltkrieg etwa drei Millionen deutsche Soldaten ums Leben kamen, d.h. mehr als doppelt so viele, wie auf den Kriegsgräberstätten im Westen ruhen. Diese Aufgabe stellt den Volksbund vor immense Schwierigkeiten: Viele der über hunderttausend Grablagen sind nur schwer auffindbar, zerstört, überbaut oder geplündert. Trotzdem richtete er während der letzten Jahre über 300 Friedhöfe des Zweiten Weltkrieges und 190 Anlagen aus dem Ersten Weltkrieg in Ost-, Mittel- und Südosteuropa wieder her oder legte sie neu an. Dazu zählen 52 zentrale Sammelfriedhöfe. Über 30 Anlagen werden zurzeit in Stand gesetzt. Etwa 628 000 Kriegstote wurden umgebettet.

Zur langfristigen Sicherung seiner Arbeit hat der Volksbund 2001 die Stiftung „Gedenken und Frieden“ gegründet.

Mit der Anlage und Erhaltung der Friedhöfe bewahrt der Volksbund das Gedenken an die Kriegstoten. Die riesigen Gräberfelder erinnern die Lebenden an die Vergangenheit und konfrontieren sie mit den Folgen von Krieg und Gewalt.

Zu diesem Zweck vermittelt der Volksbund unter anderem Fahrten zu den Kriegsgräbern, veranstaltet nationale und internationale Jugendlager zur Pflege von Soldatenfriedhöfen und informiert in Schulen und Schulfreizeiten. Das Leitwort lautet „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“. Außerdem hat er in der Nähe von vier Friedhöfen Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten errichtet, wo Schul- und Jugendgruppen ideale Rahmendbedingungen für friedenspädagogische Projekte vorfinden.

„Die Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens, und ihre Bedeutung als solche wird immer zunehmen“.                  Albert Schweitzer

 

Kriegsgräber in Nordafrika

Der Volksbund hat in den fünf nordafrikanischen Küstenstaaten Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko für etwa 20 000 deutsche Gefallene des Zweiten Weltkrieges Kriegsgräberstätten geschaffen. Alljährlich werden diese Friedhöfe von vielen Urlaubern und Angehörigen besucht.

Kriegsgeschehen

In Libyern gerieten die italienischen Einheiten  unter starke Bedrängnis durch britische Truppen. Von deutscher Seite eilte man im Februar 1941 seinem Verbündeten zur Hilfe. Eine leichte motorisierte Division, eine Panzerdivision sowie Fliegerverbände wurden nach Tripolis verlegt und griffen in die Kämpfe ein. Im Frühjahr 1942 musste der Gegner den inzwischen verstärkten deutsch-italienischen Panzerverbänden die Cyrenaika überlassen. Während des Sommers konnte die stark befestigte Hafenstadt Tobruk (Libyen) eingenommen und der Kampf bis El Alamein in Ägypten vorgetragen werden. Die deutsch-italienische Kräfte waren durch di Verluste und die große Nachschubschwierigkeiten so zusammengeschrumpft dass sie das britische Übergewicht ab November 1942 zum Rückzug zwang. Gleichzeitig landeten britische und amerikanische Truppen in Algerien und Marokko um auch von Westen gegen die deutsch-italienischen Verbände vorzugehen.

Im Januar 1943 wurde Tripolis geräumt und die Kampfhandlungen griffen nach Tunesien über. Zusammengedrängt im Raum Tunis kapitulierten im Mai 1943 die restlichen 250 000 Mann, darunter 130 000 deutsche Soldaten und  traten den Weg in britische, französische, amerikanische und kanadische Gefangenenlager an. Bei den Kämpfen auf dem afrikanischen Kontinent verloren rund 100 000 Soldaten ihr Leben, 20 000 von ihnen kamen aus Deutschland.

 

Ägypten                                                                                                                                                                    El Alamein

1943 bis 1947 erfolgte durch Umbettungskommandos der britischen Armee die Zusammenbettung der Gefallenen der Commenwealth – Truppen aus verstreut liegenden Wüstengräbern auf einen neu angelegten Kriegsfriedhof. Auf diesen unweit der Bahnstation El Alamein liegend, überführten sie auch die aufgefundenen italienischen und deutschen Toten auf einen Platz am Südosthang der Höhe 33, am Straßenkilometer 119, westlich von Alexandria. So entstand eine provisorische Gräberanlage mit 3 000 deutschen und 1 800 italienischen Gefallenen, die den Namen Tell el Eyssa erhielt und die im Jahre 1947 in die Betreuung des amtlichen italienischen Gräberdienstes überging. Ende 1953 gestattete die ägyptische Regierung den Einsatz einer vorher in Libyen tätig gewesenen Arbeitsgruppe des Volksbundes auf ihrem Hoheitsgebiet und damit die Bergung von weiteren 1 200 Toten aus verwahrlosten Friedhöfen und Feldgräbern. Sie wurden in ein provisorisches Mausoleum neben dem Friedhof Tell el Eyssa geführt.

Ein für eine Kriegsgräberstätte geeignetes Gelände wurde an der Straße Alexandria – Sollum, drei Kilometer südostwärts der provisorischen Gräberanlage, ausgewählt und von der ägyptischen Regierung kostenlos zur Verfügung gestellt. Außerdem durfte der Volksbund das für die Errichtung des Baues notwendige Steinmaterial in einem Steinbruch bei Marsah Matruh gewinnen lassen. Es handelt  sich um einen Kalksandstein hellbeiger Farbe. Der Grundriss der Ehrenstätte zeigt die Form eines Achteckes. Jede Ecke ist zu einem Turm ausgebildet.

Der äußere Durchmesser einschließlich der Türme beträgt 42 Meter, die Höhe des gesamten Bauwerkes 12 Meter; die Türme sind etwas niedriger als Umfassungsmauer.

Das Innere des Baukörpers bildet einen Ehrenhof, um den ein Bogengang führt. Zwischen Bogengang und Außenmauer lässt das nach innen vorspringende Mauerwerk der Türme acht Nischen entstehen, von denen eine als Eingangsraum gestaltet ist. Unter den sieben anderen Nischen befinden sich Gruftkammern, in denen die 4 300 Gefallenen zur letzten Ruhe gebettet sind. Oben in den Nischen stehen jeweils Gedenksteine in Sarkophagform. Auf den Rückwänden der Nischen sind die Namen der darunter bestatteten Gefallenen auf Bronzetafeln verzeichnet . im Eingangsraum ist die nachstehende Inschrift angebracht die den unter diesem Raum bestatteten Toten unbekannter Nationalität gewidmet ist und dabei doch fast als Aussage der Ehrenstätte gedeutet werden könnte:

Hier ruhen 31 tote Soldaten unbekannter Nationalität

Alles nahm hier den Tod: Name, Alter und Volk.

Nahm jedes irdische Maß, machte es wesenlos.

Eines nur blieb als heller Ton in der dunklen Legende

Dieser maßlosen Krieges in der entgötterten Welt;

Wo ihr hier standet im Kampf –

Ob Feind, ob Freund, oder Bruder,

Ob bei den Söhnen Deutschlands, Italiens, England,

Ritterlich war eure Art, menschlich hier das Gesetz.

Gott allein kennt euch alle. Er weiß eure Namen,

Er fügt sie ein in seiner strengen wahrhaftigen Ordnung.

Er hält in Händen die Bitte der Lebenden und Toten,

Die Bitte um Frieden.

 

Die Kriegsgräberstätte El Alamein wurde am 28. Oktober 1959 eingeweiht.

 

Bilder zu der alljährlich stattfinden Gedenkfeier.